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💝 EMOTIONSSKALA - Einundzwanzigstes Kapitel - Gruppenbildung

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★ Ronald Johannes deClaire Schwab:
Einundzwanzigstes Kapitel - https://bodhie.eu/ton
Gruppenbildung
Fall Sie nicht gerade in einer Höhle unter dem ewigen er Eis des Nordpols
hausen, werden Sie den Kontakt zu andern Leuten wohl kaum ausschließen können.
Ob Sie wollen oder nicht, man wird Sie nötigen, sich dieser oder jener Gruppe anzuschließen.
Man wird Sie um Spenden bitten. Man wird Sie um Ihre Mitgliedschaft in
Vereinen, Clubs, Sekten und Parteien ersuchen.
Heutzutage ist diese Grüppchenbildung stärker denn je. Nur wenige von uns
sehen sich vor ein Problem gestellt, mit dem ein reicher Junggeselle zu schaffen hat,
und das mir neulich zu Ohren kam: Er wollte sein Vermögen nach seinem Tod einer
wirklich lohnenswerten Sache stiften, war jedoch außerstande, eine solche zu finden.
Freilich ist das Dilemma dieses Mannes verständlich.
Wir leben in einer Gesellschaft, die sich mit geradezu rasender Geschwindigkeit
verändert. Mehr als jemals zuvor brauchen wir Richtlinien, um bestimmen zu
können, welche unserer sich ständig verschiebenden Werte gesund sind und welche
sich möglicherweise als selbstmörderisch auswirken können. Tag für Tag werden
uns die Ohren mit abgedroschenen Plattitüden vollgeschrieen. Wir bedürfen eines
verlässlichen Urteilsvermögens, so dass wir die überlieferten Wertvorstellungen, die
noch brauchbar sind, ebenso einschätzen können wie die neuen Maßstäbe des Raketenzeitalters,
um die sich kein Bogen schlagen lässt.
Vielleicht geben Ihnen diese fünf Punkte Hinweise auf die Nützlichkeit einer
Vereinigung, der Sie eventuell beitreten wollen:
1. Welches Ziel hat diese Gruppe?
2. Auf welche Art und Weise will sie dieses Ziel erreichen?
3. Wer führt die Gruppe?
4. Was tut sie wirklich?
5. Was hat sie bis heute erreicht?
Das Ziel
Natürlich haben nicht alle Mitglieder einer Vereinigung dasselbe Niveau. Dennoch
lässt sich das fixierte (oder nicht fixierte) Ziel auf einer Stufe der Skala einordnen.
Ein Mensch mit hohem Emotionsniveau wendet sich beispielsweise gegen alle
Bestrebungen, die auf das Zerstören ausgerichtet sind. (Das Gegenteil: Jene, die
alles in den Kot zerren wollen.) Er wird sich folglich an allen Maßnahmen beteiligen,
die der Rehabilitation, dem wahren Fortschritt, der Erziehung dienen. Möglich, dass
er nur einfach fröhlich sein will im Kreise Gleichgesinnter. Wer „ganz oben“ ist, macht
sich Gedanken über die Zukunft. Die Wiederbelebung der Vergangenheit und die
Konservierung der Gegenwart beschäftigen ihn weniger intensiv.
Viele Clubs wurden nur zum Vergnügen der Mitglieder ins Leben gerufen
(man denke an Leute, die Skat spielen, Volkstänze pflegen oder ähnliches). Andere
hingegen fordern die Vertiefung familiärer Beziehungen und die Pflege überlieferten
Brauchtums (Eltern- und Lehrer-Verbande, Vereine für Denkmalspflege). Wiederum
andere Organisationen sind von Nutzen für einzelne Berufssparten (Gewerkschaften,
ethnische Gruppen, Wohltätigkeitsvereine, staatliche Verbände, politische Parteien).
Manche Gruppen tun sich zusammen, um etwas für die Wohlfahrt der Menschheit zu
unternehmen (Familienplanung, medizinische Forschung etc.). Andere interessieren
sich für das Leben der Pflanzen und Tiere (Konservatoren, Tierschutzvereine), Einige
versuchen, die Erde und also die Menschheit vor der Selbstvernichtung zu bewahren
(Friedensbewegungen, Umweltschützer, die „Vereinten Nationen“).
Wieder andere Organisationen setzen sich mehr oder Hab weniger ernsthaft
mit dem Fremdartigen und Unerforschten auseinander (Astrologie, Spiritisten, „Ufo“-
Spezialisten). Und schließlich gibt es noch Gruppen, die sich für die Verständigung
aller Menschen und ihr Verhältnis zum Universum zusammenschließen (Glaubensgemeinschaften,
philosophische Bewegungen).
Eine emotionell hochstehende Gruppe mit großem Wirkungskreis ist am Fortbestand
der Menschheit sowohl in materieller als auch in geistiger Hinsicht interessiert.
Freilich kann der eine oder andere nebenbei auch einem Skatclub angehören.
Die Wege zum Ziel
Nicht selten können wir beobachten, dass ein hochgesteckter Vorsatz durch
weitaus profanere Mittel erreicht werden soll. Eine militante Gruppe etwa mag behaupten,
sie wolle nichts anderes als die Nation retten, während sie in Wirklichkeit
Menschenleben auslöscht und Häuser dem Erd\. Boden gleichmacht. Hunderte von
Wohltätigkeitsvereinen verfolgen das Ziel, Unglücklichen unter die Arme zu greifen.
Sie lösen aber letzten Endes die Probleme nicht: Sie bemühen sich lediglich um die
Gunst anderer. Eine derartige Hilfe ist eher schädlich als heilsam.
Führereigenschaften
Oft hängt die Wirkung einer Gemeinschaft einzig und allein von der Persönlichkeit
des „Führers“ ab – einem kraftvollen Mann, der Charisma ausstrahlt. Es ist
von größter Bedeutung, den chronischen Gefühlsbereich eines solchen Mannes richtig
einzuschätzen, um zu erfahren, ob er den Bestand der Gruppe zu garantieren
vermag oder nicht. Fällt die Leitung einer Person zu, die zwar Charisma besitzt, jedoch
das Ganze ihren eigenen unethischen Zwecken untertan macht, dann werden
alle bisherigen Bemühungen sich negativ auswirken – so positiv sie bislang auch gemeint waren.
Haben Sie den Eindruck, die Führung der Gemeinschaft befinde sich in guten
Händen, ohne sich dessen noch ganz sicher zu sein, dann seien Sie auch weiterhin wachsam.
Wirksamkeit
Ein Schwindler entlarvt sich leicht, wenn Sie ihm die Frage stellen: Was erreicht
die Gruppe tatsächlich? Etwa das, was sie zu erreichen trachtet und vorgibt?
Falls diese Frage bejaht werden kann, ist alles in Ordnung. Es kommt indessen immer
wieder vor, dass eine Gemeinschaft zwar die besten Vorsätze hat, nach den löblichsten
Zielen strebt, überzeugend geführt wird, aber trotz allem ein Manko aufweist:
Stehen die Aktivitäten wirklich auf hohem Niveau?
Wenn wir diese Frage ernsthaft untersuchen, werden wir bald dahinter kommen,
dass Herr Y., ein zungenfertiger 1,1er, der die „Gesellschaft zur Rettung der
Unterdrückten und Verlassenen“ leitet, ein Scharlatan ist. Lüften wir nämlich den
Schleier ein wenig, der diese pompöse Gesellschaft verbirgt, dann erkennen wir
rasch, dass die Unterdrückten noch immer unterdrückt und die Verlassenen nach wie
vor verlassen sind. Herr Y. allerdings braust in einem schicken Ferrari durch die Lande
und feiert in seiner Villa mit zwanzig Zimmern rauschende Feste. Und dies alles
ohne ein anderes Einkommen.
Was wurde erreicht?
Erreicht eine Gemeinschaft ihr Ziel, indem sie mehr aufbaut als zerstört? Anfangs
trugen die Gewerkschaften viel dazu bei, einen finanziellen Ausgleich zwischen
skrupellosen Industriellen und ausgepowerten Arbeitern zu schaffen. Heutzutage
freilich schwingt das Pendel zuweilen in die andere Richtung.
Vor einiger Zeit rief die U.A.W. (Gewerkschaft der Arbeiter in der Automobilindustrie)
zu einem zeitlich ungünstigen Streik auf, der die bereits mit Schwierigkeiten
kämpfende Wirtschaft der Vereinigten Staaten noch stärker lähmte. Die Gewerkschaft
erzielte für alle ihre Mitglieder eine jährliche Lohnsteigerung auf zwölftausend
Dollars. Doch schon wenige Monate später musste sie das Management um Hilfe
angehen, denn zwei Probleme türmten sich auf:
Alkoholismus und Drogenmissbrauch waren nun die häufigsten Ursachen für
Arbeitsausfälle am Fließband. Es ist kaum verwunderlich, dass viele Arbeiter apathisch
werden, wenn sie mehr und mehr Lohn für weniger Arbeit bekommen. Wie soll
ein Individuum seinen eigenen Charakter wahren, wenn seine Lohntüte dicker wird,
es selber aber keine Gelegenheit findet, die entsprechende Gegenleistung zu erbringen?
Die ideale Gemeinschaft
Nur Menschen auf hohem Emotionsniveau sind imstande, weitgesteckte Ziele
zu erreichen, echte Lösungen zu finden, positiv zu wirken. Selbstverständlich soll
hier nicht der Versuch unternommen werden, diese oder jene Gruppen und Verbände
zu analysieren. Anhand einiger Erläuterungen wird es Ihnen jedoch leichter möglich
sein, den „Fünf-Punkte-Test“ zu Ihrem eigenen Nutzen anzuwenden.
Wohltätigkeitsvereine
Viele Universitäten, medizinische Forschungsinstitute, Glaubensgemeinschaften
und Vereine sind – zum Teil wenigstens – auf die finanzielle Unterstützung der
Öffentlichkeit angewiesen. In einem fort werden wir mit Spendengesuchen für alle
möglichen Zwecke bombardiert. Dadurch sieht sich mancher geradezu auf die Stufe
der „Gunstbemühung“ genötigt. Wollte ich jeder Organisation, die mich um meine
Mithilfe bittet, auch nur eine geringe Spende geben, dann würde ich selber bald auf
die mildtätigen Gaben meiner Mitmenschen angewiesen sein.
Daraus habe ich meine Lehre gezogen: Ehe ich mich zum Griff ins Portemonnaie
überreden lasse, richte ich mich nach dem „Fünf-Punkte-System“. (Leicht abgeändert
können diese Punkte auch auf jeden beliebigen Menschen angewandt werden,
den Sie finanziell unterstützen.) Spricht mich eine wohltätige Gesellschaft an,
die an mein „gutes Herz“ appelliert, den Bedürftigen aber nicht wirklich hilft, dann
wehre ich mich entschieden gegen diese Bettelei.
Drogenentzug
Fast zahllos sind die Gruppen, die den Drogenmissbrauch einzudämmen versuchen.
Während die meisten so gut wie gar keine Wirkung erzielen, ist die Tätigkeit
anderer segensreich. Vor nicht allzu langer Zeit unterstützte die amerikanische Regierung
vier solcher Programme, die – einem späteren Bericht zufolge – „gänzlich
fehlschlugen“ Angeblich scheiterte das Unternehmen, weil die Leiter dieser Gruppen
sofortige Abstinenz verlangten. Die jungen Leute indessen, die sich an diesem Hilfsprogramm
beteiligten, sahen durchaus nicht jede Droge als schädlich an. Da es in
dieser wesentlichen Frage zu keiner Übereinstimmung kam, war es um die Resultate
verständlicherweise kläglich bestellt.
Hingegen wurde vor Jahren im Staatsgefängnis von Arizona eines der erfolgreichsten
Entzugsverfahren organisiert. Das Programm (unter der Bezeichnung
„Narconon“ bekannt geworden) wurde von einem Mann ausgearbeitet, der neunzehn
Jahre lang heroinsüchtig gewesen war. Das Verfahren beruht auf Methoden, die ohne
chemische Mittel auskommen. Stattdessen veranstaltet man Trainingsstunden
und gemeinsame Studien. Dadurch wurde bei geringfügigem finanziellem Aufwand
eine achtzigprozentige Heilung bei stark Drogensüchtigen erzielt. Rehabilitations-
Bemühungen, die sich auf physische oder geistige Heilung beschränken, erreichen
selten mehr als eine zehn- bis dreizehnprozentige Heilung. Die Methoden von Narconon,
derer sich mittlerweile verschiedene Gefängnisse bedienen, konzentrieren
sich ausschließlich auf das Geistige und Seelische des Menschen.
Das Resultat: selbstsichere Individuen, die sich oben auf der Skala befinden
und ihr Leben mit neuen konstruktiven Zielen beginnen. Da nur Freiwillige an dieser
Methode teilnehmen, sind die Erfolgsaussichten groß. Die Ergebnisse bestätigen die
Richtigkeit des Verfahrens.
Zusammenfassung
Viele Gruppen erregen das Interesse von Menschen eines bestimmten Emotionsniveaus.
Ein „Mitleid“-Mensch schließt sich vielleicht einem Geselligkeitsverein
an, obwohl er in Wahrheit gar keine besonders menschenfreundliche Gefühle hegt:
Durch diesen Schritt möchte er vielmehr sein wahres Ich tarnen. Leute, die chronisch
auf den Stufen „Zorn“ und „Antagonismus“ zu Hause sind, werden sogleich zur Stelle
sein, wenn es irgendwo zu Protesten kommt, denn sie lieben nun einmal nichts mehr
als den Krawall. Viele im „Furcht“-Bereich angesiedelten Personen werden ihnen auf
dem Fuße folgen, weil der Protest sie „lebendiger“ macht.
Hinter den Kulissen der organisierten Gewalttätigkeiten treffen wir den listigen
1,1er und den verschlagenen 1,2er an. Neulich berichtete ein Reporter über einige
im Geheimen gemachte Filmaufnahmen. Sie zeigten tumultarische Szenen auf einem
Universitätskampus. Höchst interessant war, dass jene, die am lautesten nach
Blut geschrieen hatten, sich klammheimlich davonmachten, als es tatsächlich zu
Schlägereien kam. Sie verstanden es zwar äußerst geschickt, die Gemüter zum Kochen
zu bringen. Ebenso geschickt verstanden sie es aber auch, in der Menge unterzutauchen
-und damit der Festnahme zu entgehen.
Wenn Sie sich Ihren Umgang aussuchen wollen, dürfen Sie vor allem eines
nicht vergessen: Jeder Mensch verrät seinen Empfindungsbereich durch seine Absichten,
seine Ziele, seine Aktivitäten. Ebenso aufschlussreich ist die Person des
Mannes, den er als „Führer“ anerkennt. Am allerwichtigsten jedoch ist das, was bei
seinem Tun „herauskommt“.
https://bodhie.eu/ton

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