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EIN IDEALER SEINSZUSTAND

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★ Ronald:
Bevor man entscheiden kann, was an einem Seinszustand nicht in Ordnung ist, sollte man eine gewisse Vorstellung davon haben, wie ein idealer Seinszustand beschaffen sein könnte.
In anderen Worten: Bevor man zum Beispiel ein Radio reparieren kann, muss man ungefähr wissen, was von dem Radio erwartet wird und wie gut es spielen kann, wenn es gut repariert ist.
Was, hätte man sich vor ein paar Jahrtausenden gefragt haben sollen, ist ein idealer Seinszustand für den Menschen?
In weicher Geistesverfassung gedeiht er am besten?
Was ist ein gesunder Mensch?
Was ist ein glücklicher Mensch?
Was sind die Ziele des Menschen?
Wie muss sein Geist, wie muss sein Körper beschaffen sein, damit er am längsten lebt und damit es ihm am besten geht?
Was möchte der Mensch vollbringen?
Was versucht er zu vollbringen?
Was ist der Mensch?
Bevor es sich jemand anmasst, Libidotheorien, präfrontale Lobotomie und magische Heilkristalle anzupreisen, sollte er eine Vorstellung davon haben, was er mit seinen Bemühungen anstrebt. Der Techniker, der eine Brücke reparieren soll, muss wissen, welchen Zweck eine Brücke erfüllen soll, weiche Belastungen sie ertragen soll, wie stark sie sein soll und wovon man annimmt, dass es sie wieder zerstören würde.
Das ist ein einfacher Schluss.
Der Techniker schaut sich diese Brücke, die er instand setzen soll, nicht bloss an, seufzt, stellt fest, dass das Problem zu kompliziert ist, streitet mit verschiedenen anderen „Autoritäten“ für Brücken, deponiert ein paar Stangen Dynamit an der falschen Stelle, sprengt es in die Luft, fragt sich dann, warum da keine Brücke mehr ist – und beginnt den Vorübergehenden zu erklären, dass er zu spät gerufen worden ist, sonst nichts, und dass Brücken überhaupt nicht besonders viel taugen. Allerdings drängt sich einem die Befürchtung auf, dass dies die Methode war, wie man an die Probleme des menschlichen Geistes und des menschlichen Körpers herangegangen ist. Um mit einer Wiederherstellung des menschlichen Geistes und des
menschlichen Körpers zu beginnen, sollte man über ihren optimalen Zustand Bescheid wissen. Das wäre der Anfang einer Antwort auf die Frage, wie Körper und Geist wieder in Ordnung gebracht werden können. Ausserdem wäre es der Anfang einer Antwort auf die Frage, welche Umwelt und welche Lebensumstände die günstigsten für den menschlichen Körper und den menschlichen Geist sind. Danach könnte man Mittel erfinden, mit deren Hilfe sich ein optimaler Zustand erreichen lässt. In dieser neuen Wissenschaft gibt es Axiome

--- Zitat ---1. als absolut richtig erkannter Grundsatz; gültige Wahrheit, die keines Beweises bedarf
2. nicht abgeleitete Aussage eines Wissenschaftsbereichs, aus der andere Aussagen deduziert werden
Ein Axiom ist ein Grundsatz einer Theorie, einer Wissenschaft oder eines axiomatischen Systems, der innerhalb dieses Systems nicht begründet oder deduktiv abgeleitet wird.
https://de.wikipedia.org/wiki/Axiom
--- Ende Zitat ---
, die, aufeinander aufbauend, ein logisches Gefüge formen, das sich auf den Geist und den Körper bezieht. Die Entdeckung vieler neuer Phänomene zeigt, dass dieses Gefüge brauchbar ist. Ausserdem sagt es voraus, wo Phänomene gefunden werden könnten – und wenn man die Wahrheit der Voraussage nachprüft, stellt man fest, dass sie eingetroffen ist. Durch die Logik und die Phänomene dieser Axiome lassen sich Ergebnisse erzielen, die von den Menschen als Wunder bezeichnet werden. Das Ziel des Menschen hierauf dieser Erde ist allem Anschein nach „Überleben“. Und mit Überleben“ ist alles gemeint, was für das Überleben notwendig ist, einschliesslich Ehre und Moral und Idealismus und anderer Dinge, die das Leben erträglich machen. Ein Mensch überlebt, solange es in einem Menschenleben möglich ist, mit der höchsten Aktivität und Lebensfreude, die er erreichen kann. Wenn er die Hoffnung verliert, dieses Ziel zu erreichen, stirbt er. Und obwohl der Autor nicht gern Ungläubigkeit hervorruft – die Tatsache kann auf zu vielfältige Weise, zu leicht und mit präziser wissenschaftlicher Folgerichtigkeit bewiesen werden: Man sollte sich mit der Tatsache vertraut machen, dass der Mensch offensichtlich nur körperlich stirbt und eines Tages wieder zur Weit kommt. Die Bedeutung des Todes ist keineswegs gering. Ohne den Tod wäre der Mensch noch immer eine Alge im Meer. Ohne den Tod wäre der Mensch gezwungen, in einem Körper zu leben, der nicht länger seiner Umgebung entspricht. Wenn Ihr nicht sehr abgesperrt seid, kann Euch Euer Bodhie ein Geschehnis wie einen früheren Tod vorführen. In dieser neuen Wissenschaft hat der Tod seinen Stachel verloren; eigentlich betrachtet man ihn als ziemlich praktische Einrichtung. Auf der Evolutionskette erreicht der Mensch in physischer Beziehung eine immer grössere Kontrolle über seine Umgebung. Über einen gesunden Menschen übt die Umwelt keine Kontrolle aus. Er kontrolliert die Umwelt. Die Umgebung eines Kranken, eines Neurotikers oder Geisteskranken neigt dazu, über ihn Kontrolle auszuüben. Man kann das deutlich beobachten, da man sich durch diese neue Wissenschaft in Richtung auf eine glücklichere Gemütsverfassung entwickelt. Die Gesundheit und die Fähigkeit eines Menschen nehmen in dem Ausmass zu, wie er sich zu grösserer und sicherer Kontrolle über seine Umwelt aufschwingt. Umgekehrt erreicht man bessere und bessere Kontrolle über seine Umgebung, je gesünder und glücklicher man wird. Es gibt daher ein zweites Ziel. Der Mensch lebt sichtlich zu dem Zweck, bessere und stärkere Kontrolle über das physikalische Universum zu erlangen. Das physikalische Universum setzt sich zusammen aus Materie, Energie, Raum und Zeit. In dieser neuen Wissenschaft ist das neu geprägte Wort für das physikalische Universum „MEST. Das ist leicht zu behalten, denn es wird aus den Anfangsbuchstaben der vier englischen Wörter „Matter“ (Materie), Energy“(Energie), „Space“ (Raum) und „Time“ (Zeit) gebildet. Natürlich kann der Mensch andere Ziele haben, die ausserhalb des physikalischen Universums liegen, aber wir stellen fest, dass er hier auf der Erde mit der Eroberung von MEST beschäftigt ist. Es entspricht seiner Natur, dass er sich für seine Mitmenschen und für lebende Organismen im allgemeinen interessiert, denn er lebt in einer Art von Bruderschaft mit allem Lebendigen. Das gesamte Leben ist an dieser Eroberung beteiligt, und der Mensch ist die höchste Form des Lebens auf der Erde. Eine Unterwerfung des physikalischen Universums, ja selbst Überleben auf einer Grundlage der blanken Notwendigkeit, wäre ohne die kooperative Unterstützung allen Lebens unmöglich. Der Mensch ist als Mechanismus bereits so kompliziert, dass er von niedrigeren Lebensformen leben muss. Diese sind ihrerseits fähig, Sonnenlicht und Chemikalien aufzunehmen und komplexe Nährstoffe wie z.B. Proteine zu entwickeln. Der Autor hofft natürlich, dass sein Leser nicht jene üble Angewohnheit hat, die vielen Lesern gemeinsam ist – sie suchen und erinnern sich oft nur an Dinge, die ihre eigenen alten Ideen bestätigen. Nimmt man ein Buch in die Hand, das von einem Leser gelesen worden ist, der mit einem Bleistift unterstreicht – wird man feststellen, dass er die meisten vollständigen Banalitäten angemerkt hat; es wurden nur Dinge unterstrichen, die mit den alten Ideen des Lesers ÜBEREINSTIMMTEN. Man fragt sich oft, warum ein solcher Knabe überhaupt liest. Die Daten in dieser neuen Wissenschaft sind keine voneinander isolierten Meinungen, sondern ein strukturiertes Ganzes. Dieses Ganze kann hie und da Wunder wirken, und so gut wie immer kann es deutliche Verbesserungen an einem Individuum erzielen. Das wurde nie zuvor mit einiger Verlässlichkeit erreicht, der Autor hofft daher, dass diese Daten ein bisschen um ihrer selbst willen studiert werden, nicht bloss um festzustellen, wie gut sie vielleicht mit alten Ideen übereinstimmen. Denn sie stimmen nicht mit alten Ideen überein – und alte Ideen haben Unglück, Hungersnöte, schnellen Tod, Krieg, Irrenhäuser und eine Menge anderen unerwünschten Kram produziert. Das ist nicht nur eine Bitte um Verständnis. Wenn Ihr möchtet, dass es Euch besser geht, als es je möglich gewesen wäre, probieren wir sie an und stellen fest, ob die Grösse passt. Tragen wir sie, bis wir uns ein Urteil über ihre Brauchbarkeit bilden können. Wenn Ihr nach einer gründlichen Prüfung zu dem Ergebnis kommt, dass sie nicht funktionieren, habt Ihr jedes Recht, ihnen mit Vorsicht zu begegnen. Diesen Vorschlag macht Euch der Autor, ohne befürchten zu müssen, dass Ihr ihn eines Besseren belehren werdet – zu viele Wunder sind geschehen, während die Übungen in diesem Band durchgeführt wurden. Die Liste von Axiomen wird Euch die Definitionen für Schmerz, Freude, Angst und dergleichen liefern, falls Ihr neugierig sein solltet. Hier behandeln wir nur den idealen Seinszustand in dem Schema, das Ihr brauchen werdet, um die Übungen in diesem Band auszuführen.
Der erste Punkt in einem idealen Zustand ist ICH BIN.
Shakespeare hatte ganz recht mit seiner Frage: „Sein oder Nichtsein?“
Wenn ein Mensch versucht, eine Entscheidung zu treffen, lässt sich diese Entscheidung auf die Wahl eines von zwei Wegen reduzieren:
Sein oder Nichtsein.
Die höchste Stufe des wünschenswerten Zustandes ist ICH BIN.
Kein Rätselraten um den Sinn des Lebens. Keine Angst vor der Zukunft. Die niedrigste Stufe auf einem Weg zum Überleben wäre ICH BIN NICHT. Dazwischen haben wir die Zweifel, das SichWinden und die Unentschlossenheit der Müden, der Zornigen und der Verängstigten. Erst wenn er sich zu etwas entschlossen hat, fühlt ein Mensch sich wohl. Solange er eine Entscheidung nicht trifft, sondern in einem Vielleicht hängenbleibt, fühlt er sich unwohl.
Auf jeder Route gibt es nur zwei mögliche Entscheidungen: einen Zustand des Seins anzunehmen – oder einen Zustand des Nichtseins.
Diese Seiten enthalten eine Stimmungsskala, der ihre eigenen beschreibenden Daten gegenüberstehen.
Den idealen Seinszustand findet man am oberen Ende dieser Skala.
Die Zustände von Tod oder Nichtsein befinden sich am unteren Ende der Skala.
Und hier haben wir die Sache mit der Gradientenskala.

--- Zitat ---Gefälle oder Anstieg einer Größe auf einer bestimmten Strecke
Der Gradient als Operator der Mathematik verallgemeinert die bekannten Gradienten, die den Verlauf von physikalischen Größen beschreiben. Als Differentialoperator kann er auf ein Skalarfeld angewandt werden und wird in diesem Fall ein Vektorfeld liefern, das Gradientenfeld genannt wird.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gradient_(Mathematik)
--- Ende Zitat ---
Erfolge sind kleine Stückchen Leben. Misserfolge sind kleine Stückchen Tod. Wie eine Schlacht, die für alle verlorenging, weil ein Pferd einen Nagel von seinem Hufeisen verlor, so kann ein kleiner Misserfolg den Beginn einer Serie von Misserfolgen bilden, die in tatsächlichem Tod enden. Nicht dieser Tod ist wichtig, abgesehen davon, dass er schmerzvoll ist, sondern dass man daraufhin Misserfolgen grosses Gewicht beimisst. Den idealen Seinszustand könnte man so beschreiben: vollkommen erfolgreich sein, in allen Dingen. Das Gegenteil davon: so erfolglos sein, dass man tot ist.
Stimmungsskala: eine Skala, die die verschiedenen Faktoren des Verhaltens, der Emotion und des Denkens misst und sie auf den einzelnen Stufen der Skala zueinander in Beziehung setzt.
Der nächste Punkt im idealen Seinszustand ist ICH WEISS, das Gegenteil davon ICH WEISS NICHT.
Zweifel, Verdruss, qualvolle Anstrengung beim Studieren, all das sind einfach Gradienten zwischen ICH WEISS und ICH WEISS NICHT.
Welcher Mensch zittert nicht ein bisschen, wenn er mit dem Unbekannten konfrontiert wird?
Der nächste Punkt im Idealzustand ist GELASSEN.
Davon ausgehend bewegt man sich durch Heiterkeit, Enthusiasmus, Fröhlichkeit, Antagonismus, Wut (Zorn), Angst, Gram und Apathie.
Die unterste Stufe der Leiter ist TOD.
VERTRAUEN ist der ideale Punkt auf der Skala VERTRAUEN – MISSTRAUEN. Das grösste MISSTRAUEN, das man entwickeln könnte, wäre wiederum gleich Tod. Der ideale Punkt von Langlebigkeit, bei einem perfekten Körper, wäre IMMER. Das untere Ende dieser Skala wäre wieder tot. VOLLE VERANTWORTLICHKEIT wäre ein idealer, KEINE VERANTWORTLICHKEIT im Gegensatz dazu ein nicht wünschenswerter Zustand. Und nicht zuletzt haben wir hier URSACHE und WIRKUNG.
URSACHE und WIRKUNG sind so wichtig, dass sie in den Übungen selbst mehrfach vorkommen werden. Der ideale Zustand ist es, URSACHE zu sein. Der am wenigsten wünschenswerte Zustand wäre WIRKUNG. Das äusserste an WIRKUNGsein ist tot sein. Wir haben jetzt eine kurze Darstellung, wie ein idealer Zustand beschaffen sein könnte. Nur einige der Punkte sind gezeigt worden, aber sie müssten genügen. Im Idealzustand wäre man sich voll seines Daseins bewusst und würde sein. Das ist ICH BIN. Man wäre hundertprozentig ERFOLGREICH. Man würde WISSEN. Man wäre GELASSEN. Man hätte VERTRAUEN. Man wäre in physischer Hinsicht völlig GESUND. Man könnte VOLLE VERANTWORTUNG übernehmen. Und man wäre URSACHE, ohne etwas dagegen zu haben, URSACHE zu sein. Natürlich wäre es nicht ausschliesslich erstrebenswert, diese Extreme zu erreichen, da es einem dann an Aktion mangeln würde. Aber sich ihnen so weit wie möglich zu nähern, wäre ein erstrebenswerter Zustand.
Das Seltsame daran ist folgendes: Wenn jemand in einem dieser Bereiche absinkt, sinkt er auch in allen anderen ab – so sehr stehen diese Teile des Lebens miteinander in Verbindung. Dieser Band, seine Übungen und sein Bodhieng versuchen dem einzelnen bei seinem Aufstieg zu diesem Seinszustand zu helfen, den man als ideal betrachten kann. Wie sehr sich der einzelne diesem Zustand nähern kann, hängt hauptsächlich von seiner eigenen Bereitschaft ab, daran zu arbeiten – mehr als von der Gültigkeit der Grundsätze selbst.
Ein idealer Seinszustand schliesst zweifellos Krankheit aus – oder die Unfähigkeit, sich selber oder die Umwelt zu kontrollieren.
Die Kontrolle seiner selbst und seiner Umwelt hängt davon ab, in weichem Mass man sich dem idealen Daseinszustand genähert hat.

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